Die perfekte Navigation Teil 3: Darstellung der Leistungen für Dienstleister

Während wir in Teil 1 unserer Reihe zum Thema Navigation die verschiedenen Ausprägungsformen des Menüs vorgestellt haben, ging es im zweiten Teil um die grundsätzliche Strukturierung und den Aufbau der Navigation. Wie wir gelernt haben, sollen sich die ersten Punkte der Navigation um die für den Besucher wichtigen Inhalte drehen. Aber wie stellt man diese sinnvoll zusammen? Um dieses Thema geht es in diesem Beitrag.

Eine sinnvolle Aufteilung der Leistungen in der Navigation ist wichtig!

Bevor wir uns mit der Frage auseinandersetzen wie man die verschiedenen Leistungs-Bereiche in einer Navigation sinnvoll aufteilt, klären wir zuvor einmal kurz warum das Thema so wichtig ist, dass wir ihm einen eigenen Beitrag widmen.

Man geht davon aus, dass ein Webseiten-Besucher innerhalb von 3-5 Sekunden nach dem Aufrufen einer Webseite entscheidet, ob sich diese für die Umsetzung seines Vorhabens eignet. Diese Entscheidung ist neben anderen Faktoren davon abhängig, ob der Besucher die Themen, die er sucht, schnell findet und ob sich die Webseite in dem Themen-Kontext bewegt, den er erwartet. Das Navigationsmenü der Webseite ist für den Besucher einer der ersten Orientierungspunkte um diese Fragestellungen zu beantworten und sich einen Überblick über die Struktur der Webseite zu verschaffen.

Also Grund genug für uns, sich bei der Erstellung der Navigationspunkte einige Gedanken zur Aufteilung der angebotenen Leistungen zu machen und es dem Besucher so möglichst leicht zu machen, an sein Ziel auf unserer Webseite zu gelangen.

Sollten Dienstleister grundsätzlich ihre Leistungen in Kategorien aufteilen?

Die Antwort auf diese Frage ist abhängig davon, wie viele Leistungen auf der Webseite angeboten werden und ob diese Leistungen für unterschiedliche Zielgruppen relevant sind. Zur Verdeutlichung haben wir zwei Beispiele von vergangenen Relaunches ausgewählt:

Pinguinweb.de – Streichung von unnötigen Kategorieseiten

Auch bei unserer eigenen Webseite mit relativ wenigen Unterseiten gestaltet sich eine sinnvolle und für den Besucher intuitive Aufteilung des Menüs bereits als schwierig. Vor unserem Relaunch Mitte August 2019 sah unsere Navigationsstruktur wie folgt aus:

  • Neuerstellung
    • Webseiten
    • Shops
  • Relaunch
    • Webseiten
    • Shops
  • Weitere Leistungen
  • Referenzen
  • Kontakt

Dabei hatten wir uns für eine Aufteilung unserer Leistungen in Kategorien nach der Art des Prozesses, also die Frage ob es sich um ein neues Projekt oder einen Relaunch handelt, vorgenommen. Besucher sollten so anhand ihrer benötigten Art des Projektes schnell zu den für Sie passenden Leistungs-Seiten gelangen. Das funktionierte im Großen und Ganzen auch ganz gut. In unseren Analysen zeigte sich jedoch, dass diese Aufteilung nicht für jeden Besucher leicht verständlich war, da die Unterteilung in Relaunch und Neuerstellung nicht für alle Besucher nachvollziehbar war, da beispielsweise ein Relaunch als ein “Neues Projekt” verstanden wurde.

Im Rahmen unseres Relaunches haben wir uns daher für einen drastischen Schritt entschieden und die Navigation so vereinfacht, dass nun nur noch zwischen Webseiten, Shops und weiteren Leistungen unterschieden wird. Die Unterteilung der Informationen zwischen Relaunch und Neuerstellung findet nun anhand von Tabs direkt auf der jeweiligen Unterseite statt ohne dass hierzu eine separate URL aufgerufen werden muss. Wir haben die bisherigen Kategorien somit ersatzlos gestrichen, um Besuchern eine schnellere und einfachere Navigation zu ermöglichen ohne eine Entscheidung treffen zu müssen. Dieser Schritt hat uns viel zusätzliche Arbeit gekostet da es aufwändiger ist, ein Seitenlayout zu entwickeln, auf dem sich alle Informationen gleichzeitig befinden und welches gleichzeitig nicht überladen wirkt und nur die für den Besucher tatsächlich relevanten Informationen anzeigt.

Fazit: bei wenigen Leistungsbereichen sollte die Navigation möglichst einfach und ohne unnötige Kategorien gehalten werden, auch wenn dies in der Praxis zusätzlichen Aufwand verursacht.

Simbav.de – Einführung von Kategorieseiten für mehr Übersicht

Bei dem Projekt simbav.de war die Ausgangslage genau anders herum: hier existierte eine Unterseite, auf der eine Vielzahl von Angeboten für unterschiedliche Zielgruppe und zu unterschiedlichen Themen dargestellt wurden. Dies machte es für den Besucher sehr aufwändig, auf die passenden Angebote aufmerksam zu werden und sich hierüber zu informieren. Im Rahmen des Relaunches der Webseite haben wir die dargestellten Angebote in verschiedene Kategorien unterteilt und diese in der Hauptnavigation verlinkt. Besucher können die Navigation nun zur Orientierung nutzen und sich direkt die Angebote aufrufen, die für sie relevant sind.

Fazit: bei einer Vielzahl von Angeboten, die auch noch für unterschiedliche Zielgruppen relevant sind, sollten die angebotenen Leistungen kategorisiert werden.

Wie lassen sich Leistungen in der Navigation sinnvoll aufteilen?

Unabhängig davon, ob Sie Ihre angebotenen Leistungen innerhalb der Navigation in Kategorien aufteilen oder nicht, so lassen sie sich stets nach bestimmten Schemen sortieren. Das Wichtigste, was bei der Aufteilung von Leistungen in der Navigation zu berücksichtigen ist, ist Konsistenz und Nachvollziehbarkeit. Es geht, wie bereits erwähnt darum, dass die Besucher Ihrer Webseite sich schnell und einfach einen Überblick über Ihre Leistungen verschaffen können. Sie sollten sich daher bei der Aufteilung die Frage stellen, wie der Großteil Ihrer Besucher Ihre Leistungen wohl betrachten würde. Nachfolgend finden Sie einige Beispiele:

a) Sortierung nach Kundensegment

Dieses klassische Beispiel begegnet uns immer wieder auf Webseiten von größeren Dienstleistern, die sowohl Privat- als auch Geschäftskunden betreuen und mit ihrer Webseite ansprechen möchten. Bei der Aufteilung der Leistungen nach Kundensegment gibt es beispielsweise eine übergeordnete Kategorie “Privatkunden”, sowie eine Kategorie “Geschäftskunden”. In der jeweiligen Ebene darunter befinden sich dann entweder weitere Kategorien zur Aufteilung der Leistungen, oder die Leistungen selbst. Auch eine Mischform für die Unterkategorien ist denkbar. Eine beispielhafte Ausprägung einer solchen Navigation könnte daher sein:

  • Privatkunden
    • Kategorie A
      • Leistung 1
      • Leistung 2
      • Leistung 3
    • Kategorie B
      • Leistung 4
      • Leistung 5
  • Geschäftskunden
    • Leistung 6
    • Leistung 7
    • Leistung 8

Der Einsatz einer solchen Aufteilung erfolgt meist intuitiv aufgrund der Tatsache, dass es bei einem Projekt überhaupt eine solche Segmentierung im B2B- bzw. B2C-Bereich gibt.

 

b) Sortierung nach Zielgruppen

Innerhalb eines Kundensegmentes besteht die Möglichkeit, die angebotenen Leistungen nach Zielgruppen aufzuteilen. Dies bietet den Vorteil, dass Besucher der Webseite relativ schnell in einen Bereich navigieren können, der über für Sie aufbereitete Informationen verfügt und sie gezielt anspricht. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass Ihre Besucher sich intuitiv den von Ihnen angebotenen Zielgruppen selbst zuordnen können, da diese unmissverständlich sind. Ein Beispiel:

  • Für Männer
    • Leistung 1
    • Leistung 2
  • Für Frauen
    • Leistung 3
    • Leistung 4
  • Für Kinder
    • Leistung 5
    • Leistung 6

In dieser Navigation sollte es jedem Besucher schnell möglich sein, sich zurechtzufinden und die entsprechenden benötigten Leistungen oder Produkte schnell zu finden. Anders sieht es in den folgenden Beispielen aus:

  • Für Einsteiger
    • Leistung 1
    • Leistung 2
  • Für Fortgeschrittene
    • Leistung 3
    • Leistung 4
  • Für Profis
    • Leistung 5
    • Leistung 6

 

  • Für kleine Firmen
    • Leistung 1
    • Leistung 2
  • Für mittelgroße Firmen
    • Leistung 3
    • Leistung 4
  • Für große Firmen
    • Leistung 5
    • Leistung 6

 

Diese beiden letzten Beispiele bringen ein großes Problem mit sich: der Besucher wird auf Anhieb Schwierigkeiten damit haben, sich selbst einer der Kategorien zuzuordnen. Denn wo liegt beispielsweise die Grenze zwischen einem Einsteiger und einem Fortgeschrittenen? Wo ist der Unterschied zwischen einem ambitionierten Fortgeschrittenen und einem Profi? Wie groß ist eine kleine und wie groß eine mittelgroße Firma? Dies sind Abgrenzungen, die z.T. von subjektiven Empfindungen abhängig sind oder es auf den Maßstab der Betrachtung ankommt. So wird zumindest der Großteil der Besucher zunächst mit einer Frage zur Selbsteinschätzung konfrontiert, bevor es sich auf die Suche nach den für ihn geeigneten Leistungen machen kann. Doch warum wird man in der Praxis dann immer wieder mit solchen Navigationen konfrontiert?

Navigationsmenü auf der Canon-Webseite im Bereich Kameras

 

Wie hier am Beispiel des Canon-Stores gezeigt, dürfte es dem einen oder anderen Fotografen schwer fallen, sich im Bereich der Spiegelreflexkameras innerhalb der Unterteilung “Einsteiger”, “Foto-Begeisterte” oder “Professionell” einzuordnen um bspw. ein bestimmtes Kameramodell zu finden oder eine passende Kamera für einen geeigneten Einsatzzweck zu finden. Warum sich Canon an dieser Stelle für diese Aufteilung entschieden hat, lässt sich natürlich schwer nachvollziehen. Meistens sind jedoch interne Aufteilungen, bspw. von Abteilungen im inneren des Unternehmens der Grund für eine solche Darstellung der Navigation. So gibt es bei manchen Firmen beispielsweise eine Aufteilung des Vertriebs in kleine, mittlere und große Kunden mit klar definierten internen Grenzen. Diese Aufteilung wird dann für die Webseite übernommen, ohne dass dies für den Webseiten-Besucher einen Vorteil bringen würde.

Fazit: eine Aufteilung der Navigation nach Zielgruppen macht unter gewissen Umständen Sinn, jedoch muss es für den Besucher intuitiv möglich sein, sich ohne nachzudenken einer der Zielgruppen zuordnen zu können.

 

c) Sortierung nach Einsatzzweck

Je nach angebotenen Leistungen kann es Sinn machen, diese in der Navigation nach Einsatzzweck zu sortieren. Ein Beispiel für eine solche Ausprägung wäre:

  • Garten
    • Leistung 1
    • Leistung 2
  • Wohnzimmer
    • Leistung 1
    • Leistung 2
  • Küche
    • Leistung 1
    • Leistung 2

Eine solche Vorgehensweise bietet sich dann an, wenn davon auszugehen ist, dass der Besucher sich mit hoher Wahrscheinlichkeit an einer solchen Struktur orientieren wird, da sich die Leistungen je nach Einsatzgebiet unterscheiden.

 

Welche Aufteilung der Leistungen in der Navigation ist nun die “richtige” für meine Webseite?

Wie Sie sicherlich gemerkt haben, lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten. Zunächst einmal sollte die Frage geklärt werden, ob eine Unterteilung der angebotenen Leistungen nach Kundensegmenten notwendig ist. Dies lässt sich in der Regel schnell und einfach beantworten. Im nächsten Schritt sollte dann geklärt werden, ob eine Unterteilung der Leistungen in unterschiedliche Kategorien notwendig ist. Einen Anhaltspunkt für die Beantwortung dieser Frage liefert Ihnen zum einen die Anzahl der angebotenen Leistungen. je mehr Leistungen Sie anbieten, umso sinnvoller wird eine Unterteilung in Kategorien. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob sich die Leistungen inhaltlich so stark unterscheiden, dass sie bspw. verschiedenen Einsatzzwecken dienen oder unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. In diesem Fall empfehlen wir die Einrichtung entsprechender Kategorieseiten. Egal, für welche Ausprägung Sie sich am Ende des Tages entscheiden: wichtig ist, dass Sie die Aufteilung der Leistungen aus der Perspektive Ihrer Webseiten-Besucher vornehmen und diese stringent und nachvollziehbar umsetzen. Zudem empfehlen wir, das Besucherverhalten nach der Umsetzung zu beobachten um so ggf. notwendige Korrekturen vornehmen zu können.